Chronik

Ein kleiner Überblick über die Geschichte des Musikvereins

 

Die Anfänge

Die Anfänge der Scherfeder Blasmusik gehen auf das Jahr 1912 zurück. Hauptlehrer Risse gründete seinerzeit eine Schülerkapelle, die mit Fanfaren, Flöten, große und kleine Trommel besetzt war. Ein Tambormajor und eine Fahnengruppe gehörten ebenfalls zu dieser jungen Musikergruppe. Kapellmeister war Wilhelm Müller, Sohn von Josef Müller, der Ende der 20iger Jahre die Leitung des Musikvereins übernahm.

Die Gründung

Von diesen, damals 12-jährigen Jungs, blieben Anton Köring, Rudolf Scholle und Johannes Dissen lange Jahre, letzterer sogar ein Leben lang der Musik treu. Sie gehörten zu den Gründern des Musikbvereins, der 1921 von Fritz Müller ins Leben gerufen wurde. Fritz Müller selbst hatte seine musikalischen Kenntnisse als Militärmusiker im ersten Weltkrieg 1914/1918 erworben. Er war in den Anfangsjahren auch der Kapellmeister des Msuikvereins. Die finanziellen Probleme bei der Beschaffung der Musikinstrumente löste dankenswerterweise, als Freund und Helfer des neuebn Vereins, der Gastwirt und Uhrmachermeister Johannes Honert, der Pächter des damaligen Gasthof Knepper (heute Luis) von 1920 bis 1928 war. Die Instrumente wurden in Kassel gekauft und mit der Reichsbahn nach Scherfede verfrachtet. Die ersten Proben fanden in der Schreinerei Scholle und dann beim Gastwirt Honert statt, da es zu diesem Zeitpunkt keine anderen Räumlichkeiten gab. Im Jahre 1927 verließ Fritz Müller aus beruflichen Gründen Scherfede. Die musikalische Leitung übernahm von diesem Zeitpunkt an sein Bruder Josef Müller, der zugleich Organist der katholischen Pfarrkirche war. Einigen älteren Scherfeder Bürgern ist sicher noch so manches Orgelspiel bekannt, bei denen auch weltliche Lieder eingebunden wurden (z.B. "Oh, Donna Klara"). Auch der von ihm stammende Vers, den er oft in dem gegenüber seiner Schusterstube liegenden Gasthof Heidinger (heute: Rose) von sich gab, ist so manchem Scherfeder noch bekannt: "Taramtamtam, Taramtamtam. Lischen, Zigarre, Schnaps und Bier!" und nachher: "Taramtamtam, Taramtamtam. Mein Hut, mein Stock, wo is die Tür?"

Schwere Zeiten

Während der Kriegsjahre 1939/45 ruhte die Vereinsarbeit völlig, da ein großer Teil der Mitglieder zum Kriehsdienst eingezogen wurde. Verstärkt durch Alfons Blömeke, Wilhelm Klose, August Wagemann, Ernst Bigge, Alois Wülner, der als erster Scherfeder ein Saxophon spielte und Johann Tuschewitzki nahm der Verein nach Beendigung des Krieges seine musikalische Tätigkeit im Rahmen der gegebenen Umstände wieder auf. Ein Teil der Instrumente wurde vom Schuhmachermeister Josef Kemper Sen. aus demolierten Beständen der NAPOLA aus dem Kloster Hardehausen herangeschafft und in "Krankenhäusers Scheune" von den Musikern repariert. Hier fandenauch die ersten Proben statt. Tabakschneider und selbstgebrannter Schnaps ghörten zu einer "guten Probe". Ein von Johannes Herbolde aus dem Teich hinter dem Kloster Hardehausen gefischtes Tenorhorn kaufte später Josef Löseke für 10 DM. Einige Jungmusiker wie Johannes Herbold, Hans Berendes, Karl Kemper, Alfons Blömeke, Josef Wiegard übten zusätzlich in Kempers Schusterstube, und zwar hauptsächlich leichte Choräle. Anfang der 50iger Jahre kamen unter anderem noch Alfred Gördes, Bernd Sander und Franz Köring hinzu. Jedoch hatten nicht alle jungen Männer das nötige Stehvermögen und so schieden sie im Laufe der Zeit aus den verschiedensten Gründen wieder aus.

Neuaufbau

1948 formierte sich der Musikverein neu. Unter der Leitung des Posaunisten und "Vollblutmusikers" Heinrich Maas wurden neue Leute angeworben und die Probenarbeit intensiviert. Zum Stamm dieser Jahre zählten:

Johannes Dissen Werner Löseke Paul Grefe
August Wagemann Heinz Moers Johannes Scheifers
Bernhard Hebold Werner Peine Josef Löseke
Paul Vonde Herbert Sander Reinhold Schauf
Paul Grunewald Walter Ehls Manfred Scheifers

Ein Musiker der Spitzenklasse kam 1953 nach Scherfede: Paul Linkert. Er machte sich ganz besonders um die Proben- und Jugendarbeit verdient. Seinem großen musikalischen Können ist es zu verdanken, dass der Musikverein Scherfede weit über die Grenzen des Ortes hinaus bekannt wurde.

Im Jahre 1963 wählte man erstmals einen ordentlichen Vorstand. Erster Vorsitzender wurdfe Heinrich Maas. Unter seiner Führung namh der Verein weiter Aufschwung.

Nachdem Heinrich Maas aus gesundheitlichen Gründen 1965 die Vereinsführung abgeben musste, übernahm Werner Peine den Vereinsvorsitz. Gemeinsam mit Josef Linkert war er Mitträger des weiteren Erfolgs des Musikvereins. Das erreichte Leistungsvermögen der 60iger Jahre ermöglichte dem Verein, einige Heimat- und Schützenfeste der Umgebung musikalisch zu gestalten. So z.B. Festlichkeiten in Altenheerse, Großeneder, Riesel, Blankenrode, Rimbeck, Menne, Bonenbrug, Kleinenberg, Borgholz, Rhoden, Wrexen, Obermarsberg und Kleinenberg.

Diese Traditionsfeste wurden an 3 bzw. 4 Tagen gefeiert und stellten allein schon von der zeitlichen Beanspruchung her hohe Anforderungen an die Musiker. Außer den obligatorischen Festzügen, Blas- und Tanzmusik bis tief in die Nacht hinein, gehörten der Weckruf (morgens um 6.00 Uhr), Prozessionen und Ständchenblasen zum Standartprogramm. Da die Musiker sozusagen "rund um die Uhr" im EInsatz waren, erfolgte meistens Einquartierung am Festort. Das Transportproblem löste man zu dieser Zeit per Kleinwagen oder Motorroller. Mehrere Musiker besaßen einen PKW der Marke BMW-Isetta, 18 PS, zugelassen für 2 Personen. Fehlende PS-Zahlen mußten schon bei verhältnismäßig leichten Steigungen per Muskelkraft (schieben) des Beifahrers wettgemacht werden. Scherzhaft nannte man die Scherfeder Musikkapelle auch "Isetta-Kapelle".

Aktivitäten des Musikvereins

Das kulturelle Leben in Scherfede profitierte besonders seit den 70iger Jahren von der Kreativität des Musikvereins: Ab 1972 wurde beispielsweise das allseites beliebte und noch wohl bekannte Frühlingsfest vom Musikverein ins Leben gerufen. Namenhafte Gruppen, auch aus Funk und Fernsehen bekannt, konnten für dieses Fest verpflichtet werden.Büttenabend und Kinderkarneval wurden seit 1981 unter der Federführung von Werner Peine vom Musikverein durchgeführt, der selbstverständlich auch die musikalische Gestaltung übernahm. Die Nikolausfeier für Kinder in der Mehrzweckhalle wurde - abwechselnd mit anderen Scherfeder Vereinen - ebenfalls vom Musikverein durchgeführt. Weitere Aktivitäten des Musikvereins im kulturellen und kirchlichen Leben in Scherfede waren über lange Zeit hinweg: Dreikönigskonzert, Oster- und Fronleichnamsprozession, Pfarrfest, Seefest, Batallionsabend, Schützenfest, Allerheiligen, Volkstrauertag, Weihnachtsmesse.

Heimstätten des Musikvereins

Ab 1980 stand dem Musikverein ein Probenraum in der neu errichteten Schützenhalle zur Verfügung. Dieser wurde von den Musikern in Eigenarbeit ausgebaut. Nebenbei liefen vor allem Einzelproben auch in einem Raum der Verwaltungsnebenstelle ab.

Seit der Einweihung des Musikhauses am Dengelpatt am 14. August 1999 hat der Musikverein ein endgültiges und einem den ständigen wachsenden Ansprüchen entsprechendes Domizil gefunden.

Weiterentwicklung

Der umfangreiche Geschäftsumfang sowie die inzwischen auf ca. 75 aktive Musiker gestiegene Mitgliederzahl erforderten 1981 eine straffere Organisation des Vereins. Der Verein beschloss eine Satzung, wurde als e.V. in das Vereinsregister eingetragen und erhielt die Gemeinnützigkeit zuerkannt.

Nach 20jährigem Vereinsvorsitz stellte sich Werner Peine 1987 nicht mehr zur Wahl. Für seine besonderen Verdienste um die Volksmusik und den Musikverein Scherfede verlieh ihm der Volksmuskierbund die "Große Ehrenplakette des Landesverbands des Deutschen Volksmusikerbundes". Zum neuen 1. Vorsitzenden wurde Bernhard Wagemann gewählt. Damit wurde die Vereinsführung in die Hände einer jüngeren Generation gelegt. Der Vorstand besteht seither vollständig aus Mitgliedern der ehemaligen Knaben- und Schülerkapelle. Daneben gingen die musikalischen Aktivitäten ebenfalls fast ausnahmslos auf die jüngeren Vereinsmitglieder über. Die in den vergangen Jahren geleistete Nachwuchsarbeit fand so ihre volle Bestätigung und sicherte den Fortbestand des Vereins.

...Fortsetzung folgt!